Dienstag, 12 Februar 2019 13:44

Aktionsbündnis fordert ein Umdenken in der Verkehrswende

Foto: Martin Prenzler, Rainer Beckmann, Christian Bebek, Peter Karst, Christian Stöver (v.l.) Foto: Martin Prenzler, Rainer Beckmann, Christian Bebek, Peter Karst, Christian Stöver (v.l.)
Um 40 Prozent erhöhte Parkgebühren, ein drohendes Dieselfahrverbot, Schließung eines City-Parkhauses, Rückbau des City-Rings, Einführung einer City-Maut – die Beschlüsse, Pläne und Vorschläge für die sogenannte Verkehrswende reißen nicht ab. Ein Aktionsbündnis aus sechs hannoverschen Spitzenverbänden der Wirtschaft warnt jetzt vor den möglichen dramatischen Folgen für die Landeshauptstadt.

Zusammengeschlossen haben sich die IHK-Hannover, die Handwerkskammer Hannover, die City-Gemeinschaft, die DEHOGA Region Hannover, der Handelsverband Hannover und HAUS & GRUNDEIGENTUM Hannover. Ihr eindringlicher Appell: Eine Verkehrswende, die zur Stilllegung der Innenstadt führt, ist mit den Anforderungen eines dynamischen Wirtschaftsstandorts nicht vereinbar. Ein Umdenken ist dringend erforderlich!
Martin Prenzler, Chef der City-Gemeinschaft: „Nun schon im zweiten Jahr sinkt die Besucherfrequenz in der Innenstadt. Das ist ganz klar auch Folge einer Politik, die gegen das Auto gerichtet ist. In den vergangenen zehn Jahren sind in der City weit über 1000 Parkplätze weggefallen. Das Parkleitsystem stammt aus den 1990er Jahren und ist nicht mehr zeitgemäß. Einkaufsbummler meiden die Innenstadt, wenn die Anfahrt immer schwieriger wird.“
Christian Bebek, stv. IHK-Hauptgeschäftsführer: „Alle Maßnahmen zielen auf eine Verdrängung des Straßenverkehrs ab – echte Alternativen werden aber nicht geboten. Hannover muss als attraktiver Arbeitsstandort erreichbar bleiben. Das gilt nicht nur für den Lieferverkehr, sondern auch für die 160.000 Pendler, die täglich den Weg in die Stadt finden müssen. Oft gibt es für sie keine realistische Alternative zum Auto.“
Peter Karst, Hauptgeschäftsführer der Handwerkskammer: „Wir sind auf funktionierenden Verkehr angewiesen. Wir wehren uns gegen Dieselfahrverbote für Handwerkerfahrzeuge. Wir fordern ein verbessertes Baustellen-Management im Stadtgebiet, um Engstellen zu vermeiden, die zu einer Schadstoffmehrbelastung führen und sagen Hände weg von einer Verengung des City-Rings auf eine Fahrspur. Das verschärft die Probleme nur.“
Christian Stöver, Vorsitzender der Fachgruppe Gaststätten des DEHOGA Region Hannover: „Es ist wichtig, dass Gäste unproblematisch in die Innenstadt kommen. Es ist erwiesen, dass ein Aufenthaltserlebnis in der Stadt vom Handel und der Gastronomie gleichermaßen geprägt wird. Die Attraktivität der City muss aufrecht erhalten werden.“
Monika Dürrer, Hauptgeschäftsführerin des Handelsverbandes: „Handel und Innenstadt gehören seit jeher zusammen, bilden eine pulsierende und lebendige Einheit. Die City als zentraler Handelsplatz muss daher für alle Verkehrsarten erreichbar bleiben. Sie muss zudem genügend Flächen und sinnvolle Lösungen sowohl für Park- als auch für Lieferverkehr bieten.“
Rainer Beckmann, Vorstandsvorsitzender HAUS & GRUNDEIGENTUM: „Die City ist der Puls einer Stadt. Es ist aber ein schleichender Niedergang der Innenstadt zu beobachten. Hannover wird an Bedeutung verlieren, wenn die Politik so fortgesetzt wird wie bisher. Die fatale Folge wird sein, dass die Wertigkeit der Stadt sinkt und damit natürlich auch das Eigentum der Haus- Wohnungs- und Grundstücksbesitzer.“
Die Vertreter des Aktionsbündnisses wollen jetzt verstärkt das Gespräch mit der Ratspolitik suchen. Einig sind sich die Spitzenverbände darin, dass Investitionen ins Radwegenetz und in den ÖPNV wichtig sind, sie aber nicht zu Lasten des Autoverkehrs gehen dürfen.